Seite wählen

In vielen Banken sind die Aufgaben der 2nd Line of Defence klar beschrieben. Risiken sollen überwacht, regulatorische Anforderungen eingeordnet, Entscheidungen hinterfragt und Governance-Strukturen gestärkt werden. Auf dem Papier klingt das eindeutig. In der Praxis sieht es oft anders aus.

Denn die eigentliche Herausforderung entsteht selten im Regelwerk selbst. Sie entsteht im Alltag. In Meetings, in Freigaben, in Projekten unter Zeitdruck oder in Situationen, in denen das Business Tempo fordert und Risiken gleichzeitig sichtbar werden. Genau dort zeigt sich, wie wirksam eine 2nd Line wirklich ist.

Viele Funktionen der 2nd Line sind fachlich hervorragend aufgestellt. Die Mitarbeitenden kennen DORA, MaRisk, Kontrollanforderungen und interne Standards. Trotzdem bleibt häufig ein ungutes Gefühl: Warum stoßen gute Hinweise manchmal auf Widerstand? Warum werden klare Botschaften als Blockade empfunden? Warum werden Risiken zwar gehört, aber nicht ernst genommen?

Die Antwort liegt oft nicht im Fachwissen, sondern in der Wirkung.

Zwischen Klarheit und Akzeptanz

2nd Lines bewegen sich täglich in einem Spannungsfeld. Wenn du Risiken zu weich formulierst, laufen wichtige Punkte Gefahr, verwässert zu werden. Wenn du zu hart auftrittst, entsteht schnell Distanz – und das bekannte Bild des „Verhinderers“. Beides hilft deiner Bank nicht weiter.

Eine starke 2nd Line muss deshalb beides können: klar in der Sache und anschlussfähig im Miteinander sein.

Das klingt einfach, ist aber anspruchsvoll. Denn viele schwierige Situationen haben keine perfekte Lösung. Ein Produktlaunch soll stattfinden, obwohl Sicherheitsanforderungen noch offen sind. Ein kritischer Dienstleister liefert verspätet Nachweise. Das Management drängt auf Geschwindigkeit, während offene Risiken sichtbar bleiben. In solchen Momenten reicht es nicht, nur auf Regeln zu verweisen. Dann brauchst du Haltung, Kommunikation und Urteilsvermögen.

Genau dafür wurde „Werte in Aktion“ entwickelt

Mit Werte in Aktion – 2nd Line Banking Edition haben wir ein Workshop-Format geschaffen, das genau diese Realität trainierbar macht. Nicht trocken, nicht theoretisch, sondern interaktiv und nah am echten Bankalltag.

Du arbeitest mit konkreten Situationskarten aus dem Umfeld von IKT-Compliance, Informationssicherheit, Auslagerungsmanagement oder OpRisk. Dazu kommen Rollenperspektiven wie IT-Leitung, Fachbereich, Vorstand, Revision oder Compliance. So entsteht sofort Dynamik, weil jede Entscheidung aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wird.

Im Zentrum stehen dabei die sechs Werte:

Leidenschaft
Kompetenz
Verantwortung
Vertrauen
Miteinander
Offenheit

Denn gerade in der 2nd Line geraten diese Werte regelmäßig in Spannung. Wie viel Vertrauen ist sinnvoll, ohne notwendige Challenge zu verlieren? Wann verlangt Verantwortung eine unbequeme Position? Wie offen kannst du kommunizieren, ohne unnötig Eskalation auszulösen? Und wann wird ein zu starkes Miteinander selbst zum Risiko?

Wenn Unterschiede sichtbar werden

Ein besonderer Bestandteil des Spiels sind die Positionskarten von 1 bis 5.

1 steht für: hart bleiben, klare Linie halten
5 steht für: dem Wunsch der 1st Line weitgehend folgen

Alle Teilnehmenden positionieren sich gleichzeitig. Genau dadurch entstehen die wertvollsten Diskussionen. Warum sieht jemand eine klare „1“, während eine andere Person eher bei „4“ liegt? Welche Risiken werden unterschiedlich bewertet? Welcher Wert spielt im Hintergrund eine Rolle?

So werden Haltungen sichtbar, bevor sie in realen Projekten unbewusst wirken.

Warum das für Banken relevant ist

Viele Institute investieren zurecht in Prozesse, Kontrollen und regulatorische Umsetzung. Weniger Aufmerksamkeit bekommt oft die Frage, wie Kontrollfunktionen tatsächlich wahrgenommen werden. Doch genau das entscheidet mit über Wirksamkeit.

Eine 2nd Line, die fachlich stark ist und gleichzeitig professionell kommuniziert, erreicht mehr:

– höhere Akzeptanz im Business
– klarere Entscheidungen
– bessere Zusammenarbeit mit der 1st Line
– stärkere Risikokultur
– wirksamere Governance

Das Spiel schafft dafür einen sicheren Trainingsraum. Schwierige Situationen kannst du diskutieren, ohne dass reale Projekte betroffen sind. Unterschiedliche Haltungen werden sichtbar, ohne dass sich jemand rechtfertigen muss. Und Teams entwickeln gemeinsam ein klareres Verständnis davon, wie sie auftreten wollen.

Unser Fazit

Die Zukunft starker 2nd Lines entscheidet sich nicht allein in Policies, Frameworks oder Prüfungsfeststellungen. Sie entscheidet sich dort, wo Menschen miteinander arbeiten: in Gesprächen, Entscheidungen, Konflikten und Prioritäten.

Wenn du dort wirksam sein willst, brauchst du mehr als Fachwissen. Du brauchst Haltung, Kommunikationsstärke und ein gemeinsames Werteverständnis.

Werte in Aktion macht genau das erlebbar.